
Viele ältere Menschen klagen über Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität und können sogar zu Stürzen mit Verletzungen führen.
Unser Gleichgewicht beruht auf einem Zusammenspiel mehrerer Systeme. Die beiden Gleichgewichtsorgane sind die wichtigste Komponenten, sie sind dem Innenohr benachbart im Bereich der Schädelbasisknochen angeordnet und melden uns Drehbewegungen, Lage des Kopfes in Bezug auf die Schwerkraft und lineare Beschleunigung, wie z.B. das Anfahren eines Autos (Abb. 1). Die zweite wichtige Komponente für unser Gleichgewicht ist das visuelle System, das uns die optischen Informationen über unsere Umwelt liefert. Schließlich sind Signale aus Muskeln und Gelenken von Bedeutung, die an das Gehirn geleitet werden. Alle Eingangssignale werden zentral im Gehirn miteinander verglichen und verarbeitet. Jede Störung einer der beteiligten Komponenten beeinträchtigt das Gleichgewicht und wird als Schwindel wahrgenommen. Auch Einschränkung der zentralen Verarbeitung, z.B. bei Durchblutungsstörung des Gehirns, können zu Schwindel führen.
Gerade im Alter können mehrere Systeme gleichzeitig beeinträchtig sein. Die Funktionstüchtigkeit der Gleichgewichtsorgane nimmt im Alter generell ab und spezielle Erkrankungen treten häufiger auf. Das Sehvermögen ist nicht selten vermindert. Die Beweglichkeit kann z.B. aufgrund einer Arthrose behindert sein, des weiteren können Herz-Kreislauferkrankungen die Durchblutung beeinträchtigen, neurologische Erkrankungen oder ein Diabetes kann die Sensibilität einschränken. Es lassen sich daher nicht selten gleich mehrere Ursachen für den Schwindel finden.
Untersuchungen: Grundsätzlich sollte jede Art von Schwindelbeschwerden ärztlich untersucht werden, um die Ursache des Schwindels zu klären, ggfls. Behandlungen einzuleiten und möglichen Folgeproblemen, z.B. durch Stürze, vorzubeugen. Am Anfang steht eine genaue Befragung und eine klinische Untersuchung, die nicht selten schon eine Ursache erkennen lässt. Mittels genauer Messungen der Gleichgewichtsorgane durch den HNO-Arzt lässt sich eine Störung des Systems genauer messen und zwischen einer Erkrankung des Gleichgewichtsorgans und einer Erkrankung der zentralen Verarbeitung unterscheiden. Messungen der Hirndurchblutung und bildgebende Verfahren lassen z.B. Durchblutungsstörungen des Gehirns erkennen, kardiologische Untersuchungen geben Hinweis z.B. auf Herzrhythmusstörungen. Neurologische Untersuchungen zeigen z.B. Funktionsstörungen der Nervenbahnen auf.
Therapie: nach einer sorgfältigen Abklärung gibt es zwei Therapieziele, zum einen die Behebung der Ursache durch eine spezifische Therapie, zum anderen die Minderung des Schwindels durch Kompensation (Ausgleich) und eine Verbesserung des Gleichgewichts. Ein intensives Gleichgewichtstraining mit speziellen Übungen fördert den Ausgleich der Störung, vermindert die Schwindelbeschwerden und führt zu einem verbesserten Gleichgewicht. Eine Vorbeugung gegen Gleichgewichtsstörung durch ausreichend körperliche Bewegung (Sport, Gymnastik, Spazierengehen u.a.) und Behandlung von allgemeinen Risikofaktoren ist von größter Bedeutung. Vor Beginn einer sportlichen Betätigung sollte jedoch eine ärztliche Untersuchung erfolgen, um die geeignete Sportart und Belastungsintensität festzustellen. Ihr Arzt kann sie dabei beraten.

