
Morbus Menière
Schon 1861 beschrieb Prosper Menière die Erkrankung des Innenohrs, die seither seinen Namen trägt: Morbus Menière. Sie ist gekennzeichnet durch die Kombination der Symptome
1. rezidivierender Schwindelanfälle, die meist als Drehschwindel erlebt werden und von einigen Minuten bis hin 1-2 Tagen andauern können, begleitet von
2. akutem Hörverlust, der sich nach dem Anfall wieder zurückbildet und
3. einem Ohrgeräusch (Tinnitus).
Nicht selten werden die Anfälle auch von einem Druck- oder Völlegefühl des betroffenen Ohrs begleitet. Im Anfangsstadium der Erkrankungen müssen nicht alle Symptome präsent sein.
Ursächlich nimmt man heute eine Störung des Flüssigkeitsgleichgewichts im Innenohr an, den sogenannten Endolymphhydrops, möglicherweise durch Entzündungsprozesse ausgelöst.
Welche Untersuchungen sind erforderlich?
Zur Diagnostik des M. Menière gehören eine sorgfältige klinische Untersuchung der Ohren und des Gleichgewichtssystems, Untersuchungen des Gehörs (Tonaudiometrie, Messung der Otoakustischen Emissionen, BERA (Hirnstammpotential-Messungen), ggfls. auch die Elektro-Cochleographie), des Gleichgewichtsorgans (Videonystagmographie, VEMP) und eine Tinnitus-Diagnostik.
Nur in Zusammenschau mit den Kriterien der Krankheitsgeschichte wie Art, Häufigkeit und Dauer der Beschwerden lässt sich die Diagnose des M. Menière stellen.
Welche Behandlung ist empfehlenswert?
Das von uns verwendete Behandlungsschema umfasst verschieden Therapiestufen:
1. Medikamentöse Therapie: durch die geeignete Auswahl der verwendeten Wirkstoffe lässt sich häufig, aber nicht in allen Fällen, eine Beschwerdefreiheit erreichen. Dabei kommen in der Akutphase Infusionen, z.B. mit Cortison und schwindelhemmenden Medikamenten zum Einsatz. Für die Dauertherapie zur Vorbeugung von Anfällen werden geeignete Medikamente individuell ausgewählt und in der Dosierung angepasst.
2. Operative Therapien:
a. Labyrinthanästhesie: Diese Methode wurde an der Universitätsklinik der J. W. Goethe-Universität Frankfurt entwickelt (Prof. von Ilberg). Das Gleichgewichtsorgan wird durch eine Medikamentengabe direkt in das Mittelohr temporär ausgeschaltet. Der Eingriff kann ambulant in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. In über 80% der behandelten Patienten kann so eine Beschwerdefreiheit erreicht werden. Es ist ein nicht destruktiver, operativer Eingriff, da keine dauerhafte Schädigung des Gleichgewichtsorgans resultiert und somit die Folgen eines Labyrinthausfalls, wie z.B. bleibende Unsicherheit unter Belastung, vermieden werden können.
b. Medikamentöse Labyrinthausschaltung: durch lokale Gabe von Gentamycin wird das betroffene Gleichgewichtsorgan dauerhaft ausgeschaltet und damit Schwindelanfälle verhindert. Der Eingriff ist jedoch nicht reversibel.
c. Saccotomie: bei diesem Eingriff wird der Saccus endolymphaticus, die Struktur, in der die Endolymphe resorbiert wird, operativ aufgesucht und dauerhaft eröffnet. In vielen Fällen führt dieser Eingriff zur vollständigen Beschwerdefreiheit.
Wie führen wir Ihre Behandlung durch?
Nach ausführlicher Untersuchung und Diagnostik beraten wir Sie über die geeignete Therapie. In der Regel folgt sie einem Stufenschema: zunächst wird mittels medikamentöser Therapie versucht, die Anfälle vollständig zu verhindern. Falls die medikamentöse Therapie nicht ausreicht folgt eine nicht destruktive operative Therapie (z.B. die Labyrinthanästhesie). Nur bei seltenen schweren Verläufen mit Versagen der anderen Therapiemöglichkeiten ziehen wir eine destruktive operative Therapie in Betracht.
