
Paukenerguss
Nach einer akuten Mittelohrentzündung kommt es bei Kindern häufig zu einer dauerhaften Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr, der sogenannten Paukenhöhle, wir sprechen von einem Paukenerguss. Kinder bekommen viel häufiger eine Mittelohrentzündung als Erwachsene. Die Verbindung zwischen dem Nasenrachenraum und dem Mittelohr, die Eustachische Röhre, ist viel kürzer als beim Erwachsenen, daher können Bakterien leichter in das Mittelohr gelangen. Zusätzlich sind die vergrößerten Rachenmandeln eine der Ursachen, warum Kinder häufiger unter Schnupfen leiden und sich im Nasenrachenraum Bakterien dauerhaft ansiedeln können, die für neue Infekte verantwortlich sind.
Ein Paukenerguss führt zu einem deutlich spürbaren Hörverlust mit dem Gefühl eines verstopften Ohrs. Schmerzen bestehen normalerweise nicht, es sei denn, es tritt eine erneute Mittelohrentzündung auf.
Häufig bildet sich ein Paukenerguss nach 1-2 Wochen von selbst zurück, wenn der Infekt ausgeheilt ist. Bei immer wiederkehrenden Infekten und vergrößerten Rachenmandeln kann der Paukenerguss jedoch nicht ausheilen und wird dauerhaft. Der Hörverlust beeinträchtigt das Kind in seiner Entwicklung, z.B. fällt das Verstehen im Kindergarten oder in der Schule schwerer. Darüber hinaus kann es zur dauerhaften Entwicklungsstörung des Ohrs kommen. Zunächst wird der Erguss sehr zähflüssig und kann nicht mehr von allein abfließen, dann kann das Trommelfell stark einwärts in das Mittelohr gezogen werden und der Weg für eine chronischen Knocheneiterung des Ohrs (Cholesteatom) gebahnt werden.
Ein Paukenerguss muss daher immer ernst genommen und ausreichend behandelt werden!
Der akute Mittelohrerguss wird mit abschwellenden Nasentropfen, Schleimlösern und eventuell einem Antibiotikum zur Behandlung begleitender Infekte therapiert. Manchmal kann auch ein cortisonhaltiges Nasenspray verordnet werden. Zudem soll versucht werden, einen Druckausgleich zu schaffen. Wenn der Erguss weiterbesteht und innerhalb von 6-8 Wochen nicht auf die Behandlung anspricht, so ist eine operative Entlastung anzuraten. Dabei wird ein kleiner Schnitt in das Trommelfell gesetzt und die Flüssigkeit abgesaugt. Zusätzlich empfiehlt es sich meist, die vergrößerten Rachenmandeln zu entfernen, um die Ursache der häufigen Entzündungen zu beseitigen. So kann ein Paukenerguss in den meisten Fällen beseitigt werden. Wenn der Erguss schon länger bestand und sehr zähflüssig ist, dann muss der Trommelfellschnitt durch Einlage eines Paukenröhrchens über längere Zeit hinweg offen gehalten werden (Abb. 2 und 3). Das Paukenröhrchen fällt meist nach einigen Monaten spontan heraus, danach heilt das Trommelfell wieder folgenlos zu.
Fazit: Auch ein Paukenerguss ist keine Kleinigkeit und muss sorgfältig diagnostiziert und therapiert werden. Reicht die konservative, medikamentöse Therapie nicht aus, um den Erguss zu beseitigen, ist eine operative Therapie erforderlich, um weiteren Schädigungen des Ohrs vorzubeugen und das Hörvermögen wieder herzustellen.
